Seit wenigen Wochen läuft die Sanierung der Landsberger Straße. Wir als Bürgerverein haben uns seit mehreren Jahren im Vorfeld in das Planungsverfahren eingebracht, um so für die Interessen des Stadtteils zu kämpfen. Leider mehren sich die negativen Auswirkungen der Sanierung.

Teilweise sind schon befreundete Gewerbetreibende auf uns zugekommen und haben uns deren schwierige Lage geschildert. Wir versuchen uns weiter im Sinne des Stadtteils gegenüber Stadtverwaltung und LVB Gehör zu verschaffen. Daher haben wir einen Brief an die Geschäftsführung der LVB, den Oberbürgermeister sowie den zuständigen Dezernenten geschrieben. Darüber hinaus wurde aus dem Kreis der AG Verkehr und Mobilität eine Bürgeranfrage im Stadtbezirksbreit Nord gestellt.

Brief an die LVB/Oberbürgermeister zur Sanierung der Landsberger Straße

Sehr geehrte Frau Lukas,
sehr geehrter Herr Dienberg,
z.K. sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Jung,

der Bürgerverein Gohlis wendet sich wegen diverser Anfragen und Beschwerden von Gohliserinnen und Gohlisern zu der aktuell laufenden Sanierung der Landsberger Straße an Sie. Wir bitten, dass Sie uns zeitnah dazu antworten, damit wir gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern des Stadtteils aussagekräftig sind.

Seit Beginn der Baumaßnahme wurde Folgendes festgestellt:

  • Die Umleitungsstrecke des SEV wird dadurch behindert, dass weiterhin das Gebot „rechts vor links“ gilt und der Bus ständig die Vorfahrt beachten muss. Gibt es die Möglichkeit, diese Regelung für den Zeitraum der Maßnahme aufzuheben?
  • Die Haltestellen des SEV sind nicht behindertengerecht. Insbesondere in der Breitenfelder Straße haben Rollstuhlfahrende und Fahrgäste mit Kinderwagen keine Möglichkeit des Aus- oder Zustiegs. Es muss der Fahrer oder ein Fahrgast bemüht werden.
  • Der Coppiplatz ist von Norden kommend „hermetisch“ abgeriegelt. Die Zuwegung/Gehwege von der Breitenfelder Straße zum Coppiplatz sind infolge von Belagschäden und Unebenheiten für Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Einschränkungen eine Zumutung.
  • Sodann wurde zur Umgehung des Coppiplatzes von der Ludwig-Beck-Straße kommend eine Zuwegung/Radweg zur Coppistraße/S-Bahn durch Bauzäune markiert, die derart schmal ist, dass Fußgänger- und Radverkehr sich gegenseitig behindern. Wenn dann noch ein Kinderwagen oder Rollstuhl den Weg benutzen möchte, ist eine gefahrlose Benutzung fragwürdig.
    • auch die Kombination des Geh/Radweges ab Max-Liebermann-Straße stadteinwärts als einzige Zuwegung bis Viertelsweg für den gesamten Fuß- und Radverkehr stadtein- und auswärts schafft eine nicht unerhebliche Gefahrensituation.
  • der SEV hält nur, wenn der Fahrgast vor dem Ausstieg den Halteknopf drückt. Dies ist bei den Straßenverhältnissen, z.T. der Fahrweise der Busfahrerinnen und -fahrer und den o.a. Vorfahrtsregelungen unzumutbar. Gerade Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit Beeinträchtigung sind froh, einen Sitzplatz ergattert zu haben bzw. einen festen Halt.
  • Die Bewohnerinnen und Bewohner von Gohlis-Nord fühlen sich „abgehängt“. Es ist unzumutbar, für die Erreichbarkeit des Coppiplatzes (u.a. wegen Ärztehaus und S-Bahn-Station) den Hinweis zu erhalten, mit der Buslinie 80 bis zur Endhaltestelle der Linie 12 und dann mit der Linie 90 zu fahren.
  • Parallel zur Baumaßnahme besteht seit einigen Wochen eine Baustelle im Bereich Max-Liebermann-Straße/Virchowstraße. Diese sorgt für vermehrten Rückstau auf der Max-Liebermann-Straße sowie der Virchowstraße und verhindert, dass die Virchowstraße als östliche Umgehungsstrecke genutzt werden kann.
  • Ebenso gleichzeitig zur Sperrung der Landsberger Straße erfolgte eine Verengung der Bahnbrücke über die Sasstraße in Vorbereitung der dortigen Sanierung. Dies führt dazu, dass der SEV über die Sasstraße nur sehr langsam vorankommt und der gesamte Verkehr aufgrund der verengten Fahrbahn auch hier nicht wirklich eine Alternative zur gesperrten Landsberger Straße findet.
  • Über das teilauto-Regionalbüro haben wir erfahren, dass diese gar nicht über die Baustelle informiert wurden. Das führte dazu, dass Kundinnen und Kunden noch Autos gebucht hatten, die dann nicht den Parkplatz verlassen konnten, da dieser durch die Baustelle vom Verkehr abgeschnitten wurde.

Darüber hinaus ist seit geraumer Zeit aufgefallen, dass die Taktungen zwischen der Buslinie 80 und den Haltestellen der Straßenbahn Linien 12 und 16 nicht wirklich aufeinander abgestimmt sind. Immer wieder beschweren sich Bürgerinnen und Bürger bei uns, dass der Bus bzw. die Bahn abfährt, während die Linie 12 bzw. der Bus 80 erst gerade einfährt. Für das Ziel eines Umsteigens ohne großen Zeitverlust stellt dieser Fakt ein großes Hindernis für die Attraktivität des ÖPNV dar

Bitte beachten Sie, dass in Gohlis-Nord der Altersdurchschnitt der Menschen über 60 Jahre bei rd. 44 % liegt, während er z.B. in Gohlis-Mitte bei 22 % liegt. Die aktuelle Situation ist daher gerade für die älteren Menschen im Stadtteil umso beschwerlicher.

Für den Vorstand des Bürgerverein Gohlis

Anfrage im Stadtbezirksbeirat Nord zur Sanierung der Landsberger Straße

  1. Wie sollen die baulichen Gegebenheiten und die verkehrsrechtliche Anordnung für den landwärtigen Abschnitt des Geh- und Radweges zwischen Viertelsweg und Max-Liebermann-Straße während und nach der Komplexbaumaßnahme aussehen?
  2. Für welchen Zeitraum sind die Leitungsbaumaßnahmen auf dem Abschnitt eingeplant? Parallel oder nach der Komplexbaumaßnahme? Noch während oder nach Abordnung der Benutzungspflicht des Hochbordradweges?
  3. Wird im Zuge der Leitungsbaumaßnahmen entlang des Abschnittes auf der gesamten Breite ein einheitlicher Deckenschluss hergestellt, so dass ein getrennter Geh- und (benutzungspflichtiger) Radweg (VZ 241) mit den heutigen Standardmaßen angelegt werden kann?
  4. Wenn nein, ist dann nur noch die Verkehrsführung für den Radverkehr auf der Fahrbahn im Mischverkehr und optional auf dem Gehweg mit Unterhänger „Rad frei“ (VZ 239) vorgesehen wie es bisher kommuniziert wurde? Wann soll der Lückenschluss auf dieser Hauptroute im Radnetz (IR III) wieder hergestellt werden? Wie wird die Maßnahme unter Berücksichtigung des RVEP 2030+ priorisiert? Oder werden alternativ die Parkstände auf der landwärtigen Seite der Straße entfernt, um auf deren Fläche ein Radfahrstreifen anzuordnen?